Donnerstag, 20. August 2009

Buddelei in Tautavel! - Teil 3: les fouilles et la vie quotidienne

So weit so gut, wir waren wohlbehalten auf der Grabungsstätte angekommen, unser Zelt stand und die ersten sozialen Kontakte waren auch schon geknüpft. Kommen wir dann jetzt also zu den wirklich wichtigen Dingen ;)

Wie sah ein normaler Ausgrabungs-Arbeits-Tag in Tautavel aus?


  • Variante 1: buddeln und alles was damit zusammenhängt: Es gibt da also zunächst einmal den ganz normalen Grabungsalltag. Das bedeutete für Alex und mich, dass der Wecker um 17 nach 7 Morgens klingelte, wir uns dann in Rekordtempo anzogen und die Zähne putzten und mehr oder weniger pünktlich um halb acht beim Frühstück saßen. Nur nebenbei sei erwähnt, dass das Frühstück schon nach kurzer Zeit etwas gewöhnungsbedürftig wurde, da es jeden Tag nur Baguette mit Aprikosenmarmelade gab! :) Um acht Uhr folgte dann ein eher unangenehmer Teil des Tages, das sogenannte "Topo", ein Vortrag über ein beliebiges archäologisches Thema, dass zu Tautavel passt. Das war ja eigentlich meistens auch recht interessant, aber es war halt trotzdem ziemlich früh und das ganze war auf französisch ... Auch das daran anschließende tamisage erfreute sich nicht allzu großer Beliebtheit bei den Ausgräbern. Immerhin musste man dafür morgens um 9 in kaltem Wasser auf glitschigen Steinen stehen und die bei der Ausgrabung angefallene Erd-und Steinmasse so lange sieben, bis sie komplett von Erde und anderem Dreck gereinigt war. Nun wurden alle Ausgräber in zwei Gruppen eingeteilt, die einen blieben "unten" und machten "lavage - marquage" (meistens mit Agnes) und die anderen kletterten zur Höhle hinauf um dort dann wirklich auszugraben. Zur lavage-marquage gehörte es die ausgegrabenen Objekte zu waschen (oft ganz klischeehaft mit Zahnbürste ^^) und danach fein säuberlich zu beschriften. Das war eigentlich eine ganz angenehme Arbeit, also nicht allzu anstrengend und kräftezehrend, allerdings wurde es umso kleiner die Objekte waren natürlich auch immer kniffliger! Am meisten Spaß machte aber natürlich das eigentliche ausgraben oben in der Höhle! Einziger kleiner Nachteil hier war nur dass man dazu erst einen nicht ganz kleinen Berg hinauf steigen musste und das meist in der drückendste Hitze. Einmal oben angekommen hatte man dafür einen herrlichen Blick über das Tal. Die Höhle selber war ziemlich groß und vor allem durch das langjährige Ausgraben schon ziemlich tief. Mit Hilfe von Schnüren und Gewichten hatte man sie in jeweils 1*1 Meter große carrés unterteilt die dann einzeln ausgegraben wurden. Dazu benötigte man ein "cahier de fouilles" eine Schaufel, einen Pinsel, Hammer und Meißel, einen Eimer und je nach carré noch ein "utile de dentiste" - ein Zahnartzinstrument! Je nach Härte des carrés arbeitete man sich dann mehr oder weniger schnell nach unten vor, wobei man alle anfallenden archäologischen Funde (Knochen, bearbeitete Steine, Holz, etc) sorgfältig und vorsichtig aus der Erde entfernte und dann für den Rücktransport aus der Höhle beschriftete. Der Fund musste dann noch gemessen, in das cahier de fouilles eingetragen und gezeichnet werden. Auch wenn sich das jetzt ziemlich einfach und unkompliziert anhört, konnte das ganze doch auch sehr kniffelig sein!
  • Variante 2: le jour de service: Hier noch die weit unbeliebtere Arbeitsvariante in Tautavel. Jeden Tag wurden 1 bis 2 Ausgräber (je nach Personenzahl) zum Küchendienst abgestellt. Das hieß abends spülen, am nächsten Morgen dann früh aufstehen, Frühstück machen, spülen, Mittagessen kochen, spülen, schließlich noch das Abendessen kochen und zwischendurch die Sanitäranlagen zu reinigen sowie eine "tache spéciale" (wie z.B die Küche aufräumen) erledigen. Alex und mir graute von Anfang an vor diesem Tag. Wie sollten wir es je schaffen ein einigermaßen genießbares Essen für 15-20 Personen zu kochen?? Allerdings waren die Franzosen dann doch recht leicht zufrieden zustellen, wenn sie auch ihr eigenes Essen immer am liebsten mochten ;) Vor allem auf unsere Apfelpfannkuchen waren wir aber trotzdem recht stolz!

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